Handy Rooten – Möglichkeiten, Gefahren und Alternativen

Artikel 99 des Computer und Sicherheits-Wissen von apm24.de Computerhilfe Seibersbach (zur Übersicht)


Tech-Writer Uwe

Tech-Writer am 06.01.2023



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Heutzutage befindet sich auf neu gekauften Handys immer mehr Bloatware, also sinnlose APPs die nicht deinstalliert werden können. Auch hat die Werbung überhandgenommen und eine Firewall ist in den seltensten Fällen installiert. Wer sein Handy komplett von Adware, Bloatware und Google befreien möchte, kann eine befreite ROM (Android-Image) installieren. Zur Installation einer Custom-ROM muss das Handy gerootet werden. Es gibt auch alternative Möglichkeiten, um sinnlose vorinstallierte APPs zu deinstallieren, das Handy mit einer Firewall abzusichern und Werbung durch einen AdBlocker zu unterbinden. Das Thema Rooting ist so komplex, dass wir in diesem kurzen Artikel nur die Möglichkeit anschneiden und für Interessierte entsprechende weiterführende Links anbieten. Wer nicht ganz so weit gehen will, findet hier ebenfalls Tipps zum Thema APPs (Firewall und AdBlocker) und die Möglichkeit Bloatware mit Hilfe von ADB zu deinstallieren.


Copyright und Lizenz: Von "Thomas Klabunde" erstellte Grafik zum Artikel über das Rooten von Handys

INFO: Wir übernehmen keine Haftung durch Schäden am Gerät!

Was ist Rooting?

Rooting ist eine Methode, mit der sich die allgemein gültigen Beschränkungen auf Android-Geräten durchbrechen lassen. Mit Rooting kann man tiefer in das Betriebssystem des Geräts eindringen und dessen Funktion erweitern, als es normal möglich wäre. Dies macht Rooting zu einem unverzichtbaren Werkzeug für viele Menschen, die mehr Kontrolle über ihr Handy haben möchten. Es bietet Personen Zugang zu weitreichenden Funktionen. Viele Hersteller versuchen solche Möglichkeit gar nicht oder sehr sparsam anzubieten, entsprechend ihren Interessenslagen. 

Warum sollte ich mein Handy rooten und welche Risiken bestehen?

Es gibt einige Gründe, warum man sein Handy rooten sollte. Zum einen erhält man dadurch Zugriff auf eine Vielzahl an erweiterten Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten, die sonst nicht zur Verfügung stehen würden. Darüber hinaus kann man auch bestimmte Apps installieren, die normalerweise nicht auf dem Handy verfügbar sind. Außerdem kann man durch das Rooten des Handys die Leistung des Geräts erheblich verbessern.

Nachteile des Rooting

Allerdings sollte man bedenken, dass das Rooten des Handys auch einige Nachteile mit sich bringt. So führt es beispielsweise zum Verlust der Garantie und im schlimmsten Fall sogar zu einem Brick (das heißt, das Handy ist nicht mehr funktionsfähig) des Geräts. Daher sollte man sich gut überlegen, ob man sein Handy rootet oder nicht. Wenn Sie mehr aus Ihrem Handy herausholen möchten, ist das Rooten eine hervorragende Möglichkeit, um es zu tun.

Overclocking oder Underclocking

Darüber hinaus ermöglicht Ihnen das Rooten von Handys, bestimmte Einstellungen zu ändern und die Leistung des Geräts durch Overclocking oder Underclocking des Prozessors zu verbessern. Dies ist insbesondere bei älteren Geräten praktisch, wenn Sie die Leistungsabstürze reduzieren möchten. Dies ist jedoch nur für fortgeschrittene Benutzer empfehlenswert, da es unter Umständen zu schwerwiegenden Schäden am Gerät kommen kann.

Falls sie wirklich ein Gerät rooten wollen, sollten sie es zunächst mit einem Altgerät (was vlt. Entsorgt werden kann) durchspielen. Bis Android 4 gibt es auch Rootin-APPs, die das Gerät mit einem Klick "One-Click-Rooter" rooten.

Gefahren des Routing

Wir raten dringend ab, ein neues oder teueres Smartphone mit Android 6 und höher zu rooten, weil hier zusätzliche Schritte notwendig sind. Beispielsweise muss i.d.R. der Bootloader entsperrt werden. Dazu stellt ihnen der Hersteller des Gerätes entsprechende Möglichkeiten (z. B. Freischaltcode) zur Verfügung - ACHTUNG: Damit ist die Garantie bereits erloschen. Das Entsperren des Bootloaders ist nur der 1. Schritt zum Rooten.

Anschließend muss TWRP-Recovery installiert werden, um ein freies ROM (Image) zu flashen oder die Root-APP "SuperSU" zu installieren. Häufig gibt es hier auch weitere Probleme, die zu einer Bootloop führen können. Ferner sind die Systempartitionen heute verschlüsselt und können auch mit TWRP nicht einfach beschrieben werden. Es kann wirklich sehr viel schief gehen.

Wie roote ich mein Handy?

1. Anleitung

Der erste Schritt beim Rooten eines Handys ist die Suche nach einem geeigneten Tutorial oder einer Anleitung. Dies sollte von einer zuverlässigen Quelle stammen, um sicherzustellen, dass das Handy nicht beschädigt wird. Sobald man eine Anleitung gefunden hat, sollte man sich diese genau durchlesen und sicherstellen, dass man alle Schritte versteht. Fast alle Fragen rund um das Handy und Rooten werden für die meisten Modelle auf der Seite https://forum.xda-developers.com/ beantwortet. 

2. Vorbereitung

Der zweite Schritt ist die Vorbereitung des Handys. Dazu gehört das Sichern aller Daten, die auf dem Gerät gespeichert sind, entweder auf einem Computer oder in der Cloud. Außerdem sollte man sicherstellen, dass das Handy aufgeladen ist und genügend Speicherplatz hat, um den Root-Vorgang durchzuführen.

3. Root-Vorgang

Der dritte Schritt ist der eigentliche Root-Vorgang. Hierbei gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nachdem welche Anleitung man verwendet. In der Regel muss man jedoch zunächst einige Dateien herunterladen und anschließend mit speziellen Befehlen rooten. Sobald der Vorgang abgeschlossen ist, sollte man überprüfen, ob alles funktioniert und ob das Handy noch richtig startet.
Sollte wirklich etwas schief gehen (z. B. Bootloop), nicht direkt aufgeben. Mit speziellen Tastenkombinationen kommt man auch bei "gebrikten" Geräten noch in den FASTBOOT-Modus und kann mit Hilfe des PCs und der entsprechenden Flash-Software des Herstellers das Gerät wieder zum Leben erwecken.

Gibt es eine Alternative zum Rooten?

Für Leute, die nicht rooten wollen oder können, gibt es einige Möglichkeiten, die Vorteile von Apps zu nutzen, die ohne Root arbeiten. Einige dieser Möglichkeiten sind:

  1. Die Suche nach alternativen, nicht-root-Apps im Google Play Store. Zum Beispiel gibt es eine App namens "AdFree", die Werbe-Anzeigen blockiert, ähnlich wie AdBlock Plus auf dem Desktop.
  2. Die Verwendung von Privatbrowsern und VPNs (Virtual Private Networks) - Firewalls, die es ermöglichen, Inhalte zu blockieren und die Privatsphäre zu schützen.

Firewall oder/und AdBlocker

Die meisten sind einfach nur genervt von der In-App-Werbung und dem unkontrollierten Datenaustausch zwischen APPs und unbekannten Servern und sehen im Rooten die einzige Möglichkeit ihr Gerät entsprechend zu kontrollieren. Leider ist i.d.R. nur eine VPN-Verbindung bei Android möglich - Firewall oder AdBlocker. Allerdings gibt es zumindest eine APP, die Firewall und AdBlocker recht gut in einer VPN-Verbindung kombiniert hat. Diese findet man unter "Umbrella - Adblock & Firewall" im Google Play Store oder auf https://apkcombo.com/de/umbrella-adblock-firewall/com.consulenza.umbrellacare/.

ADB-Tool

Wer sich von der vorinstallierte Bloatware (sinnlose APPs die nicht deinstalliert werden können) befreien will, kann dies auch ohne Root am PC machen. Dazu benötigt ihr nur ein kostenlose ADB-Tool für den PC (z. B. Minimal ADB and Fastboot). Wenn das Handy mit aktivem Debug-Modus angeschlossen wird, kann mit dem Tool Bloatware deintalliert werden. Aber Vorsicht - bitte keine wichtigen System-APPs deinstallieren, die das Gerät gleichfalls schädigen können. Beispielsweise kann die häufig mitgelieferte YouTube-App mit ADB einfach deinstalliert werden:

Tipp:
Anfänglich sollten alle wichtigen Daten gesichert werden und die APPs mit einem Apk Extractor auf dem PC gesichert werden. Bei der Sicherung drauf achten, dass auch alle System-APPs mit gesichert werden, damit diese im Falle eines Falles wieder installiert werden können.

ADB uninstall ist ein Befehl, mit dem Sie eine Anwendung auf Ihrem Android-Gerät deinstallieren können. Dieser Befehl ist nützlich, wenn Sie eine Anwendung deinstallieren möchten die auf dem Handy nicht deinstallierbar ist, die Sie nicht mehr benötigen oder die Fehler verursacht.
Wenn Sie adb uninstall ausführen, werden Sie aufgefordert, die Paket-ID der zu deinstallierenden Anwendung anzugeben. Die Paket-ID ist in der Regel in der form com.package.name. 
 

Selbst erstellter Screenshot zum Uninstall mit ADB-Tool
Copyright und Lizenz Selbst erstellter Screenshot zum Uninstall mit ADB-Tool

Achtung! Sie sollten keine wichtigen SystemAPPs deinstallieren!

Deinstallieren Sie eine Anwendung mithilfe des Befehls adb uninstall:

  1. Öffnen Sie ein Terminal und navigieren Sie zum Ordner platform-tools.
  2. Verbinden Sie Ihr Android-Gerät mit dem Computer mithilfe eines USB-Kabels.
  3. Führen Sie den folgenden Befehl aus, um sicherzustellen, dass ADB funktioniert und Ihr Gerät erkannt wird:
    adb devices
  4. Geben Sie den folgenden Befehl ein, um die zu deinstallierende Anwendung zu identifizieren - ggf. den DEBUG-Modus am Handy bestätigen:
    APPs und SYSTEMAPPs:
    adb shell pm list packages
    nur APPs:
    adb shell pm list packages -3
    Um die Liste besser zu bearbeiten, können sie diese auch in einer Textdatei umlenken:
    adb shell pm list packages > c:\temp\apps.txt
    Sie können dann die apps.txt öffnen und alle Paketnamen prüfen.
    Kopieren Sie die Paket-ID der Anwendung, die Sie deinstallieren möchten.
  5. Führen Sie den folgenden Befehl aus, um die Anwendung zu deinstallieren:
    z. B. für youtube:
    adb pm uninstall -k --user 0 com.google.android.youtube

Fazit

Rooten würde ich auf Geräte beschränken, die alt oder nicht mehr benötigt werden. Bei teuren neuen Geräten sollte man wirklich wissen was man tut und wie man es macht.  bzw. sich intensiv im Internet mit dem Thema und Vorgehen beschäftigen. Beachtet bitte, dass die Garantie erlischt, die Sicherheit nicht mehr so hoch ist und auch APPs sich anders verhalten können. 

Bei vielen Fragen zum Thema Rooting können sie sich auch an die Computerhilfe Seibersbach wenden. Allerdings kann dabei keine Garantie übernommen werden und die Haftung durch Schäden am Gerät wird ausgeschlossen.


 

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